Tour Blog 15

13.07.2012 20:58

13.07.12

Es ist geschafft und ich bin ... ja was bin ich nun? Fangen wir noch ein letztes Mal am Morgen an:

Ich durfte super gut schlafen und konnte E. noch beim Frühstück erwischen und kurz mit ihr Zeit verbringen, bover sich sich auf machen musste zur Arbeit. Danach habe ich dann gefrühstückt und meine Sachen gepackt, habe versucht, ganz nach Ranger Art den Platz sauberer zu verlassen als ich ihn vorgefunden habe ;-)

Und dann habe ich mich ein letztes Mal (für diese Tour zumindest) aufs Fahrrad geschwungen und habe die letzten knapp 50km in Angriff genommen. Heute entschied ich mich, mich einfach nur an die B3 zuhalten, weil das der kürzeste weg war und ich wollte nun doch einfach nur noch nach hause.

War es noch trocken als ich losfuhr. änderte sich das doch recht bald und so wurde ich schnell von einem stärkeren Regen dazu überredet, meine Regenkleidung anzuziehen. Es fühlt sich generell an, als ob man in einem Plastiksack sitzt und darin rumzappelt: es raschelt und man schwitzt sofort. So ist man also trotzdem nass - was der Regen dann nicht schafft, erledigt man dan selber. irgendwie eine doofe Regelung.

Was ich aber dann recht schnell gemerkt habe: mich stört der Regen nicht sonderlich und er hatte auch absolut keine Auswirkung auf meine Laune. Wie auch, heute geht es schließlich nach Hause und zu Hause ist es ja bekanntlich am Schönsten! Und so bin ich da zufrieden vor mich hingeradelt, habe gebetet und die Kilometer einen nach dem andern hinter mich gebracht. Diesmal war es auch nicht so schwer den Weg zu finden - B3 - folg einfach dem Straßenlärm. Zu meiner Linken haben sich dann oft die Rebberge getürmt und zur Rechten die Mais- und Getreidefelder ausgedehnt. Schön, das Markgräfler Land!

Zwischendrin habe ich dann noch das Tostedter Team angerufen, die ich dieses Wochenende nicht persönlich unterstützen kann und es auch vermissen werde, aber ich wollte sich doch wissen lassen, dass ich an sie denke und für sie bete. Und auch das kurze Gespräch hat mich wieder weiter motiviert, kräftig in die Pedalen zu treten.

Eine Pause habe ich heut übrigends nicht eingelegt - ich hatte ein Ziel - ein wichtiges und da wollte ich schnell hin. Witzig, was uns so antreibt, oder? Schon mal darüber nachgedacht, was dich so antreibt? Neulich wurde ich an einer Station gefragt, was ich den so denke, wenn ich dann auf dem Fahrrad sitze, stundenlang und einfach nur strampel. Hm, gute Frage!

Ich denke über mich nach, über mein Leben bisher und wie Gott es geführt hat. Ich denke über diese Tour nach, was ich alles erlebt habe und wie wenig ich davon wirklich selber geplant habe. Darüber, wie Gott mich immer wieder in den ganz kleinen Dingen überrascht, überwältigt, herausgefordert, überführt, erstaunt, gesegnet und beschenkt hat. Ich denke über die Dinge nach, welche ich sehen durfte: die vielen unterschiedlichen Vögel wie Graureiher, Störche, Greifvögel, kleine Mäuschen oder auch Ratten, Eichhörnchen und Rehe, Enten in den verschiedensten Farben und viele mehr. Welch eine sagenhafte Vielfalt, die ich sonst in meinem städtischen Alltag gar nicht beachter oder gar erlebe. Ich denke außerdem über die predigten nach, welche ich auf der Rauffahrt angehört habe. Davon konnte ich noch immer zehren und hatte genügend Stoff, worüber ich sinnen und beten konnte. Und was auch absolut ein großer Teil meiner Gedanken ausmachte, sind meine Freunde. Ich habe über euch (meinen engeren Kreis und den weiteren Kreis und jeder, der mir dann auch noch einfiel) nachgedacht und habe für euch gebetet. Das ist das schöne gewesen auf dem Fahrrad - du kannst beten und beten - weil du hast ja sonst nichts anderes zu tun außer in die Pedale zu treten. :-) Und oft hat Gott auch zu mir gesagt: "Jeanette, während du da so am strampeln bist, hör mir doch mal zu." Auch spannend!!

Nun geregnet hat es bis nach Schliengen und dort hätte ich dann für eine Zeit die B3 verlassen sollen. Aber als ich da so die Route auf GoogleMaps angeschaut hatte, fand ich das mich das irgendwie einen Umweg führen würde. Ich halte mich lieber an die B3 und dann bin ich schneller. Hahaha - wie oft habe ich das schon auf dieser Tour so gemacht und hinterher eigentlich bereut!? Ich hatte gerade mein Regenzeug ausgezogen und habe dann ziemlich schnell gesehen, warum dieser "Umweg" vielleicht besser gewesen wäre: BERGE!!

Die Strecke von Schliengen bis nach Rümmingen ist ein einziges Rauf und Runter! Boa was war ich platt (Gott sei Dank nur ich und nicht auch mein Fahrrad!!) jedes Mal als ich oben ankam. Einen Berg musste ich tatsächlich dann schieben (ein steiler Kiesweg hinter Rümmingen). Meine Beine hatten so stark gezittert - das kam die ganze Tour nicht vor! Dafür bin ich bei zwei Bergen dann mit 46km/h und 48km/h runter gebraust! War das eine Freude! :-D Da habe ich beide Male gerufen: "Noch mal, Jesus!!"

Und dann war da Lörrach! Was habe ich mich gefreut MEINE Stadt wieder zusehen, oben von der Lucke aus. So ein wahnsinnig schöner Anblick. Und dann zu wissen, was ich da eigentlich gerade geschafft habe - nun das habe ich glaub noch gar nicht richtig realisiert. Auf dem Weg nach Hause dann habe ich noch eben ein paar Lebensmittel eingekauft und bin happy zuhause angekommen.

Was übrigends auch unbedingt erwähnt werden muss: ich hatte keine einzige Fahrradpanne, keinen platten Reifen, keinen Unfall und totale Bewahrung! Danke für alle eure Gebete, die mich begleitet haben für meine Sicherheit. Gott sei dafür ebenfalls von Herzen gedankt. Ich habe gerne mein Flickzeug, die Ersatzschläuche und das Erste Hilfe Täschchen ungenutzt spatzieren gefahren!!

Mein letzer Kilometerstand für heute:
3:35h (übrigends war die Zeitangabe immer die reine Fahrzeit) für 48,9km. Meine somit kürzeste Strecke, die sich anfühlte wie die Längste, weil nun meine Beine doch tatsächlich absolut müde waren!

Und nun die Gesamtstrecke: 971,3km - auf die 1000km hat es mir nun doch nicht gereicht, aber ich hätte mich dafür nochmal um 30km verfahren müssen und ich finde, habe so schon genügend Kilometer zusammen bekommen, oder nicht?

 

Und nun zurück zur Anfangsfrage, was ich bin. Ich bin nun müde. Ich bin glücklich. Ich bin zufrieden. Ich bin stolz auf das was ich mit meiner eigenen körperkraft geschafft habe und weiß, dass es ohne Gott gar nicht möglich gewesen wäre. Ich bin begeistert von meinem Urlaub, der meine eigenen Erwartungen weit übertroffen hat. Ich bin verändert durch jedes Erlebnis, die Kilometer, die Begegnungen, die Erfahrung und die Erkenntnisse, zu denen ich gelangt bin.

Und ich bin wieder zuhause!