Tour Blog 10
08.07.12
Es geht weiter! Mein erster Blick heute morgen ging zum Fenster raus zum nachprüfen, wie wohl das Wetter ist. Und es war Trocken! Zumindest solange bis ich dann aufstand und zum frühstücken ging und dann fiel uns der Himmel auf den Kopf! Na toll! Aber es war ja noch massig Zeit bis ich losfahren wollte.
Nachdem sich meine Eltern von mir verabschiedet hatten und zum GoDi gegangen waren, machte ich mich dran meine Sachen zu packen und das Fahrrad zu besteigen und hoffte und betete, dass es aufhören würde zu regnen. Das geschah aber nicht und so musste ich tatsächlich bei Regen losfahren. Und ich kam erst recht spät los. 11 Uhr war es bereits als ich dann endlich weg war.
Aber die vorangeschrittene Zeit war ja nicht so schlimm, die heutige Route sollte sich nur auf ca. 52km belaufen, zu einem kleinen Ort westlich von Frankfurt.
Der Regen war ja zum Glück nicht sehr stark und vor mir war plötzlich strahlend blauer Himmel und ich bin direkt dorthin gefahren. Es war schon schön den Regen hinter sich zu lassen. Aber es war ein echt fieser Wind noch unterwegs.
52km - Sollte! Nach 1 1/2h Fahrt (ich hatte gerade mal 20km geschafft) rief meine Freundin an, bei welcher ich übernachten durfte, um mir aus Krankheitsgründen abzusagen. Na so ein Pech! Also schaute sie nach Hotels für mich und meine Eltern stellte ich auch irgendwann an zum Nachschauen. Und dann dieser Wind! Der war unglaublich stark! Ich musste mich stellenweise krampfhaft am Fahrrad festhalten!
Und diese Hügel und Berge! Das Taunusgebirge ist ein herrlich schönes Fleckchen Erde - aber mit dem Fahrrad macht es nicht so viel Spaß! Dachte ich zuerst, dass ich ja jetzt viel bergab fahren darf, weil es auf der herfahrt so viel bergauf ging, aber nö - es ging wieder viel mehr bergauf. Lag aber vielleicht auch daran, dass ich nicht die gleiche Strecke gefahren bin. Und auch heute habe ich immer wieder gesagt: Jesus schieb, da konnten Hügel!
Aber leider kam oft stattdessen einfach noch ein Gegenwind dazu, dass ich mir die meiste Zeit wie Don Quijote vorkam, der gegen Windmühlen kämpfte.
Oh und wenn man denkt, man hat nun alle Arten von Radwegen gesehen und befahren, kommt das Land immer doch wieder mit Neuen (alten) an.
Der mittelalterliche Radweg, wurde mit handbeschlagenen Kopfsteinpflaster verlegt um ca. 1300 n.Chr. von den damaligen Strafgefangenen, welche sich bei dieser Zwangsarbeit dachten, dass sie sich nun an allen Wanderern und Reitern auf ihren edlen Rössern rächen können (keine Gewähr auf histor. Richtigkeit!) - nun zumindest war dieser eine Radweg ungefähr so gepflastert und ich hatte Angst um meinen Drahtesel, ob das ihm wohl guttun würde für die angedrohten nächsten 5,4km. Tatsächlich kam nach knapp 1km dann schon der Asphalt!
Und ein anderer Radweg ist der Matschweg - nach (!) dem Regen. Mehr muss ich wohl dazu nicht sagen, nur dass meine Reifen irgendwann zu breit waren für die Bremsen und den Rahmen!!
Nun das mit der Übernachtung hatte sich dann auch irgendwann geklärt als, ich über eine Freundin das Okay bekam, dass ich auf dem Theologischen Seminar Beröa in Erzhausen unterkommen kann für die Nacht. Das war eine Erleichterung fürs Herz und gleichzeitig ein bisschen Stress, weil sich meine Route um 30km verlängern sollte! Und mir lief die Zeit weg!
Zwischenzeitlich hatte ich echt geglaubt, dass ich den Zug nehmen muss um es zu schaffen. Aber ich bin dann eine Teilstrecke des heutigen Ironman Frankfurt gefahren (auf dem Gehweg!) und da hat mich der Ehrgeiz doch nochmal kurz gepackt!
Ich habe es dann mit einem absolut leeren Handy geschafft, Beröa zu finden und war so erschöpft und so erleichtert endlich da zu sein.
Alles in allem hat es heute nicht so sehr Spaß gemacht. Immer wieder diesen sturmartigen Wind und die Berge rauf, war nicht so prickelnd. Aber ich habe es geschafft und solche Tage gibt es ja auch mal im Leben. Morgen ist ein neuer Tag und da wird es bestimmt wieder anders.
Heute habe ich endlich wieder Zahlen für euch:
6:00h für 88,7km
Bisherige Gesamtstrecke: 600,2km
Anders als gedacht, habe ich auch diese Etappe geschafft!